Führung im Kunstmuseum Basel (16. Sept. 2026)

Bericht: Lukas Bürgin / Fotos: Lukas Bürgin & Christian Allemann -


Kultur und Geselligkeit:
Patrice Kleewein, Regionalleiter der UBS Nordwestschweiz, hat uns anlässlich seines Besuches am letzten Zunftessen Eintrittskarten für das Kunstmuseum überreicht. Am Mittwoch 16.09.2026 haben wir an einem Partneranlass dieses Geschenk eingelöst. 22 Interessierte folgten der Einladung nach Basel.

Nach der gemeinsamen Anreise und nach kurzem Getränkehalt im Hauseigenen Bistro gab uns unser Meister Hans Vogt im Innenhof des Kunstmuseums neben Rodins Skulptur «Bürger von Calais» (1895) bereits einige wichtige Informationen zum Museum. Das Kunstmuseum Basel beherbergt eine Europaweit einzigartige und bedeutende Sammlung. Die Werke reichen vom Mittelalter über die Renaissance und das 17., 18. Und 19. Jahrhundert bis hin zur klassischen- und der europäischen Nachkriegsmoderne. Die Sammlung des Kunstmuseums Basel gehört zu den fünf besten auf der Welt.

Hans Vogt stellte uns im Anschluss unsere Museumsführerin Frau Iris Kretschmar vor. Sie rüstete uns mit Kopfhörer aus und erzählte zu Beginn der Führung die Entstehungsgeschichte des Museums. Die Stadt und die Universität Basel kauften im Jahre 1661 die private Kunstsammlung der Familie Amerbach. Diese enthielt viele Werke von Hans Holbein. Die Sammlung wurde 1667 im „Haus zur Mücke“ erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie gilt dadurch als die älteste öffentliche Kunstsammlung der Welt. Wegen des stetigen Wachstums zog die Sammlung um. Der heutige Hauptbau am St. Alban-Graben wurde im Jahr 1936 eröffnet. Entworfen haben ihn die Architekten Rudolf Christ und Paul Bonatz. Ein neuer Erweiterungsbau von Christ & Gantenbein wurde 2016 eingeweiht um mehr Platz für Wechselausstellungen und die grosse Sammlung zu schaffen.

Führung durchs Museum:
Frau Kretschmar führte uns äusserst kompetent durch die wertvolle Sammlung im alten Gebäudeteil des Museums. Zu auserwählten Bildern erzählte sie uns interessante Bezugnahmen und Geschichten zur Herkunft. In diesem Gebäudeteil werden hauptsächlich religiöse und alte Bilder ausgestellt. Zu Beginn der Führung erklärte sie uns was auf den religiösen Bildern von Niklaus Manuel Deutsch 1484 – 1530 und von Konrad Wirz 1400 – 1446 zu sehen ist und wie das Abgebildete historisch interpretiert werden soll. Bei den frisch gestrichenen Wänden kommen die Bilder ausgezeichnet zur Geltung.

   

Anschliessend führte Sie uns in weitere Räume und zu weiteren Bildern:

Toten Christus im Grab 1521 – 1522 von Hans Holbein

Das auf einer Lindenholztafel ausgeführte Ölgemälde zeigt in nahezu lebensgrossem Format den realistisch dargestellten toten Christus in einer steinernen Grabnische.
Mit viel Begeisterung machte uns Frau Kretschmar bei ihrem Vortrag auf die Details,
wie Muskulatur und Adern am Körper, aufmerksam.

Weil das Bild den Verwesungsprozess des Körpers von Jesus zeigt,
erhielt dieses Bild den Ruf, dass man beim Betrachten des Bildes den Glauben verlieren könne.

Hommage à Blériot 1914 von Robert Delaunay

Frau Kertschmar führte uns zum Bild «Hommage à Blériot» von Robert Delaunay.
Es ist ein herausragendes Werk, sowohl im Schaffen des Künstlers als auch in der Sammlung des Kunstmuseums.

Es vereint intensive Farbe und experimentelle Bildmotive zu einem grossartigen Kunstwerk. Es handelt vom Traum des Fliegens. Darauf sind Flugzeugteile und der Eiffelturm zu sehen. Es ist das Lieblingsbild des Kunstmuseums Basel.

Sitzender Harlekin 1923 von Pablo Picasso

1923 malte Pablo Picasso vier Portraits eines sitzenden Harlekins. Der katalanische Maler Jacinto Salvadó sass für diese Bildgruppe Modell, als Harlekin verkleidet mit einem Kostüm aus Picassos Besitz. Hier wird ein Motiv aufgegriffen, welches Picasso seit vielen Jahren begleitet. Er besuchte früher oft den Zirkus und lebte zunächst im selben Umfeld wie die Artisten. Er fühlte sich diesen Gestalten am Rande der bürgerlichen Gesellschaft verbunden und malte die Zirkusleute in ihrem Alltagsleben.

Frau Kretschmar zeigte uns anhand weiterer Bilder auf, wie sich der Künstler Pablo Picasso Zeit seines Lebens im Stiel gewandelt hat. Vom Klassizismus zur abstrakten Moderne. Dabei wurden Objekte und Menschen in geometrische Formen wie Dreiecke und Würfel zerlegt. Die Bilder zeigen verschiedene Perspektiven gleichzeitig.

Vénus et l’amour 1906 und Le couple 1907 von Pablo Picasso

Die Museumsführerin erklärte uns in Basler-Dialekt, dass im Jahr 1967 der Verkauf der Bilder «Les deux frères» (1906) und «Arlequin assis» (1923) von Pablo Picasso drohte. Durch eine Volksabstimmung im Jahr 1967 bewilligte die Bevölkerung von Basel-Stadt einen Staatskredit von sechs Millionen Schweizer Franken; des Weiteren sammelten die Bürger 2,4 Millionen Franken – und wurden dabei unter anderem auch von den Kantonen Basel-Landschaft und St. Gallen sowie der Gemeinde Binningen unterstützt –, um die beiden Gemälde für das Kunstmuseum zu erwerben.

Pablo Picasso war darüber so gerührt, dass er der Stadt vier weitere Werke schenkte: «Homme, femme et enfant» (1906), eine Entwurfszeichnung zu «Les Demoiselles d’Avignon» (1907) sowie die beiden grossen Spätwerke «Vénus et l’amour» und «Le couple» von 1967 (siehe Bild). Der damalige Museumsdirektor Franz Meyer durfte sie selbst in Picassos Atelier auswählen. Schliesslich ergänzte Maja Sacher-Stehlin diese Schenkung um das kubistische Werk «Le poète» von 1912.

Blick in das Unendliche 1913 – 1916 von Ferdinant Hodler

Die enormen Ausmasse verdankt das Werk seiner ursprünglichen Bestimmung als Wanddekoration des oberen Treppenhauses im damals neu errichteten Kunsthaus Zürich. Bei einer Probehängung 1916 erwies es sich jedoch als zu gross. Hodler malte daher innerhalb weniger Monate eine etwas kleinere Version. Die Monumentalfassung wurde vom Basler Kunstverein erworben und fand im neuen Gebäude des Kunstmuseums Basel 1936 an dieser Stelle ihren Platz. Frau Kretschmar wies uns auch auf die Quadratur mit feinen Hilfslinien hin, welche damals für die Proportionierung beim Malen des grossen Bildes erforderlich war.

Zum Abschluss der sehr interessanten Führung erhielt Frau Kretschmar einen kräftigen Applaus von einer sehr beeindruckten Gruppe.

Nach dem Besuch im Kunstmuseum durften wir in der nahe gelegenen Bäumligasse
im Keller der legendären Breo-Clique (1896) einen Apéro geniessen.

Ob nun am Ende des Abends die Kunstwerke im Museum oder die kreativen Fasnachtslaternen im Keller Clique einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen werden, konnte hier bei einem hervorragenden Glas Chasselas (Epesses, La Vaux) oder Cabernet Sauvignon (Col di Sasso, Toscana) und bei gemütlichem Beisammensein diskutiert werden.

Um 21.30 kehrten wir gemeinsam mit fantastischen Bildern im Kopf wieder zurück nach Liestal.

Ein grosser Dank an den Organisator des Anlasses, unserem Meister Hans Vogt !